Reduzierter Augenblick

In dieser fotografischen Arbeit werden Motive vorgestellt, die ich „reduzierte Augenblicke“ nenne. Meine Sichtweiße auf die Umgebung wirkt konstruiert, abstrahiert und weltentrückt. Es ist der Drang nach einem Farb- und Formspiel. Der Titel setzt sich aus zwei Wortbestandteilen zusammen, deren Bedeutung den Zugang zu meiner Arbeit erleichtern. „Reduziert“ bezieht sich auf eine Form der Abstraktion. In meiner Arbeit werden grafische Beziehungen einzelner Bildelemente betont und dadurch ein Stück weit aus ihrem Kontext gezogen. Somit rückt der Inhalt des Bildes in den Hintergrund und die Bildkomposition in den Vordergrund. Je konsequenter dies geschieht, desto „abstrakter“ erscheint das Bild. Der „Augenblick“ bezieht sich auf etwas zeitlich Begrenztes. Einige Zusammenhänge sind nur von kurzer Dauer, da Sonnenstand und Zustand der zufällig vorgefundenen Umgebung eine entscheidende Rolle spielen.

Meine Herangehensweiße zu dieser Arbeit könnte man als Ordnungsdrang bezeichnen. Hierbei verweise ich zum Verständnis an Stephen Shore, der das beschriebene Verlangen als grundlegende Herangehensweise eines jeden Fotografen bezeichnet. „Fotografie ist ihrem Wesen nach eine analytische Disziplin. Während ein maler mit einer leeren Leinwand anfängt und ein Bild konstruiert, beginnt der Fotograf mit der Unordnung der Welt und wählt ein Bild aus. Ein Fotograf, der vor Häuser und Straßen, Menschen und Bäumen und den Artefakten einer Kultur steht, verleiht der Szene Ordnung – er normiert das Durcheinander und verleiht im Struktur“ (Stephen Shore: Das Wesen der Fotografie, Erstausgabe Berlin 2009, S.37).

Neben dem Ordnungsdrang, der diese Motive wortwörtlich aufräumt, zeigt sich ein ausgeprägter Spieldrang. Dieser ist dem monokulären Blick der Fotografie geschuldet. Der Begriff bezeichnet die fehlende Tiefenwahrnehmung einer Fotografie. Durch die Projektion eines dreidimensionalen Raumes auf eine zweidimensionale Fläche entstehen Zusammenhänge einzelner Bildelemente, die es zuvor nicht gab. Bei jedem Wechsel des eigenen Standpunktes, entstehen neue Bildzusammenhänge. Daraus formte sich ein visuelles Abbildungsspiel, das immer neue Kompositionen innerhalb eines Motivs erlaubte. Visuell unterstützt wird dies durch den Ausschnitt eines Bildes. Dieser begrenzt den Bildinhalt. Alle Flächen und Linien stehen somit in Beziehung zu den Rändern der Fotografie.

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